Dacheindeckung & Materialkunde

Tonziegel: Eigenschaften, Neigung, Lebensdauer, Pflege

Tonziegel sind die in Deutschland verbreitetste Dacheindeckung für geneigte Dächer: nicht brennbar, farbbeständig und bei guter Ausführung über Jahrzehnte haltbar. Dafür sind sie schwer und brauchen eine ausreichende Dachneigung. Dieser Beitrag erklärt Aufbau, Bauformen, Grenzen und Pflege.

Stand: 5 Min. LesezeitRedaktion DEUTSCHE DACHWERKE

Geschlossene Dachfläche aus rotbraunen Tonziegeln auf einem SatteldachSymbolbild · KI-generiert

Was ist ein Tonziegel?

Ein Tonziegel wird aus Ton oder Lehm geformt, getrocknet und bei hoher Temperatur gebrannt. Beim Brand wird das Material dauerhaft fest und witterungsbeständig. Der Ziegel ist mineralisch und nicht brennbar.

Wichtig ist die Unterscheidung von Dachziegel und Dachstein: Dachsteine bestehen aus Beton (siehe Betondachsteine), Dachziegel aus gebranntem Ton. Beide sehen sich ähnlich, unterscheiden sich aber in Oberfläche, Farbechtheit und Alterung.

Das Falzprinzip: Wie ein Ziegeldach dicht wird

Ein Ziegeldach ist kein wasserdichtes Dach im Sinne einer Wanne, sondern ein wasserableitendes Dach: Die Ziegel überdecken sich wie Schuppen, und Falze und Mulden leiten das Wasser nach unten. Dichtheit entsteht aus Überdeckung und Neigung. Darunter sorgt die Unterdeckung für eine zweite Ebene, die Flugschnee und Wind-Regen abfängt.

Zwei Falzziegel mit sichtbarem Seitenfalz in der NahaufnahmeSymbolbild · KI-generiert
Falzprinzip beim DachziegelLinks der Querschnitt zweier Ziegel nebeneinander, deren Seitenfalz sich überdeckt. Rechts der Längsschnitt: Die Ziegel liegen wie Schuppen übereinander auf der Lattung, das Wasser läuft über die Überdeckung ab.Querschnitt: SeitenfalzZiegel 1Ziegel 2Der Seitenfalz greift ineinander,die Mulde führt das Wasser ab.Längsschnitt: ÜberdeckungWasserlaufLattung
Seitenfalz im Querschnitt und Überdeckung im Längsschnitt, schematisch.

Bauformen im Überblick

Tonziegel unterscheiden sich vor allem in der Form. Sie bestimmt, wie die Ziegel ineinandergreifen, wie groß die sichtbare Fläche ist und wie das Dach wirkt. Mehr dazu im Beitrag Ziegelformen und Oberflächen.

Gängige Bauformen
BauformErscheinungsbildTypischer Einsatz
FalzziegelGroße Deckfläche, ineinandergreifende Falze, ruhiges BildNeubau und Sanierung von Satteldächern
Flachziegel (Biberschwanz)Kleinteilig, flach, gerundetes oder gerades EndeDenkmalnahe Dächer, Rundungen, klassische Optik
Hohlziegel (Mönch und Nonne)Halbrunde Ober- und Unterschalen im WechselRegional verbreitet, südländische Optik
GroßformatziegelGroße Fläche je Ziegel, wenige FugenRuhige, großflächige Dächer

Die Bezeichnungen können je nach Hersteller und Region abweichen.

Welche Mindestneigung brauchen Tonziegel?

Die Regeldachneigung ist die unterste Neigung, bei der die Deckung nach Fachregel ohne Zusatzmaßnahmen als regensicher gilt. Die Werte unten stammen aus der Fachregel für Dachziegel und Dachsteine (Gelbdruck vom 01.07.2023, also ein Entwurf). Die aktuell gültige Ausgabe kann abweichen, verbindlich sind Fachregel und Herstellerangaben.

Regeldachneigung laut Fachregel-Entwurf 2023
ZiegelartRegeldachneigung
Ringfalz-Ziegel (Flachdachziegel) in Einfachdeckung22°
Ziegel mit Kopffalz und Seitenverfalzung im Verband (besondere Merkmale)25°
Doppelmuldenfalz-, Reform-, Glatt-, Verschiebeziegel; Strangfalzziegel30°
Biberschwanz in Doppel- oder Kronendeckung30°
Krempziegel; Hohlpfanne in Aufschnittdeckung35°
Mönch und Nonne; Biberschwanz in Einfachdeckung mit Spließen40°

Quelle: ZVDH-Fachregel Dachziegel/Dachsteine, Gelbdruck 01.07.2023. Stand 20.10.2026, ohne Gewähr.

Unterhalb der Regeldachneigung sind Zusatzmaßnahmen nötig, etwa ein besonders ausgeführtes Unterdach. Nach dem Entwurf gilt für Dachziegel und Dachsteine eine Mindestdachneigung von 10°, darunter ist die Deckung nicht zulässig. Hohe Sparrenlängen, Schneelast und Windzone erhöhen die Anforderungen.

Gewicht und Lebensdauer

  • Gewicht: typisch 40 bis 55 kg/m² Dachfläche. Ein Biberschwanz in Doppeldeckung kann deutlich schwerer sein. Lattung, Unterdeckung und Dämmung kommen hinzu.
  • Rechnerische Nutzungsdauer: nach der BNB-Tabelle mindestens 50 Jahre für die Ziegeldeckung. Das ist ein Rechenwert und keine Garantie. Fachliteratur nennt Spannen von etwa 40 bis 80 Jahren.
  • Brandverhalten: Ziegel selbst sind nicht brennbar.

Oberflächen und Farben

Naturrote Ziegel zeigen die Farbe des gebrannten Tons. Bei einer Engobe wird vor dem Brand eine dünne Tonschicht mit Farbpigmenten aufgetragen, bei glasierten Ziegeln kommt eine glänzende Schicht dazu. Farbe und Ortsbild behandelt der Beitrag Dachfarben und Ortsbild.

Drei Dachziegel mit unterschiedlichen Oberflächen nebeneinanderSymbolbild · KI-generiert

Pflege und typische Schwachstellen

Der Ziegel altert meist langsamer als seine Umgebung. Anschlüsse, Verwahrungen, Unterdeckung und Befestigungen brauchen eher Aufmerksamkeit. Eine regelmäßige Sichtprüfung lohnt sich mehr als eine Komplettreinigung.

  • Dach nach Sturm und Hagel vom Boden aus mit dem Fernglas ansehen
  • Verschobene, gebrochene oder fehlende Ziegel zeitnah ersetzen lassen
  • Rinnen, Kehlen und Anschlüsse von Laub und Moos freihalten
  • Moos und Algen nicht mit Hochdruck abstrahlen, das kann die Oberfläche schädigen
  • Das Dach nur mit Laufrost oder Trittsystem betreten lassen, Ziegel brechen bei punktueller Last

So läuft eine Neueindeckung mit Tonziegeln ab

Der Ablauf hängt vom Dach ab. Typische Schritte:

  1. Bestand aufnehmen

    Aufbau, Zustand, Neigung und Anschlüsse werden erfasst.

  2. Unterkonstruktion prüfen

    Sparren, Schalung und Befestigung werden auf Tragfähigkeit und Schäden geprüft.

  3. Alte Eindeckung zurückbauen

    Ziegel, Lattung und gegebenenfalls Unterdeckung werden entfernt und fachgerecht entsorgt.

  4. Unterdeckung und Lattung

    Unterdeckung, Konterlattung und Lattung werden verlegt.

  5. Eindecken

    Die Ziegel werden gedeckt, danach folgen First, Grate, Ortgang und Anschlüsse.

  6. Abnahme

    Das fertige Dach wird gemeinsam begutachtet und abgenommen.

Dachaufbau erklärt
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Ein Schrägdach besteht aus mehreren Schichten. Zusammen halten sie Wärme im Haus, lenken Feuchte kontrolliert ab und schützen vor Regen. Wir bauen es Schicht für Schicht auf, von innen nach außen.

Die Sparren tragen das Dach. Innen schließen Verkleidung und Dampfbremse den Raum ab. Die Dampfbremse hält Feuchte aus der Raumluft von der Dämmung fern und macht die Gebäudehülle luftdicht.

Zwischen den Sparren liegt die Dämmung. Sie hält im Winter die Wärme im Haus und im Sommer die Hitze draußen. Reicht die Sparrenhöhe nicht aus, kann zusätzlich unter oder über den Sparren gedämmt werden.

Darüber folgt die Unterdeckbahn. Sie leitet Wasser ab, das unter die Ziegel gelangt. Die Konterlattung schafft darüber einen durchlüfteten Spalt, in dem Feuchtigkeit entweichen kann.

Auf der Konterlattung liegt die Traglattung. An ihr werden die Dachziegel eingehängt. Die Eindeckung schützt die darunterliegenden Schichten vor Regen, Schnee und Wind.

Nur im Zusammenspiel funktioniert das Dach. Für die Bundesförderung gilt bei Dachflächen ein Wärmedurchgangskoeffizient, der U-Wert, von höchstens null Komma eins vier Watt pro Quadratmeter und Kelvin. Stand Oktober zweitausendsechsundzwanzig, ohne Gewähr.

Mehr dazu finden Sie im Ratgeber von Deutsche Dachwerke. Ein gutes Dach. Ein gutes Gefühl.

Wann lohnt sich Reparatur, wann die Neueindeckung?

Einzelne gebrochene oder verschobene Ziegel lassen sich ersetzen. Eine Neueindeckung wird sinnvoll, wenn Unterdeckung, Lattung oder Befestigungen am Ende ihrer Lebensdauer sind oder wenn eine Dämmung und neue Anschlüsse ohnehin geplant sind. Dann ist es wirtschaftlicher und fachlich sauberer, die ganze Fläche in einem Zug zu bearbeiten, statt später Teile erneut zu öffnen.

Die Entscheidung trifft der Fachbetrieb nach einer Prüfung am Gebäude. Hinweise liefern poröse oder abplatzende Ziegel, undichte Stellen am Kamin oder an Dachfenstern, durchhängende Lattung und Feuchteflecken im Dachraum. Mehr zur Einordnung finden Sie im Bereich Planung.

Checkliste für Angebote mit Tonziegeln

Ein gutes Angebot nennt nicht nur „Dachziegel, rot“, sondern macht die Leistung nachvollziehbar. So können Sie Angebote vergleichen und wissen, was Sie bekommen. Achten Sie auf folgende Punkte:

  • Ziegelhersteller, Modell, Form, Farbe und Oberfläche
  • Deckungsart und Regeldachneigung des gewählten Ziegels im Verhältnis zur vorhandenen Neigung
  • Unterdeckung, Konterlattung und Lattung mit Produkt und Abmessungen
  • First, Grat, Ortgang, Lüfter und Schneefang einschließlich Zubehör
  • Anschlüsse an Kamin, Wand und Dachfenster, Kehlen und Verwahrungen
  • Entsorgung der alten Eindeckung und Umgang mit möglichen Schadstoffen
  • Gerüst, Schutzmaßnahmen und Ablauf

Häufige Fragen

Wie unterscheiden sich Tonziegel und Betondachsteine?

Tonziegel bestehen aus gebranntem Ton, Dachsteine aus Beton. Sie unterscheiden sich in Herstellung, Oberfläche und Alterungsverhalten. Mehr im Beitrag Betondachsteine.

Welche Dachneigung brauchen Tonziegel mindestens?

Je nach Ziegelart liegt die Regeldachneigung laut Fachregel-Entwurf 2023 zwischen 22° und 40°. Mit Zusatzmaßnahmen sind flachere Dächer möglich, die Grenze liegt bei 10°. Maßgeblich sind Fachregel und Herstellerangaben.

Wie schwer ist ein Ziegeldach?

Als Spanne gelten etwa 40 bis 55 kg/m² für die Eindeckung. Dazu kommen Lattung, Unterdeckung und eventuell Dämmung. Vor einem Wechsel von leicht zu schwer sollte die Statik geprüft werden.

Wie lange hält ein Tonziegeldach?

Die BNB-Tabelle rechnet mit mindestens 50 Jahren für die Ziegeldeckung. Das ist keine Garantie: Die tatsächliche Dauer hängt von Qualität, Verlegung, Anschlüssen, Wartung und Standort ab.

Kann ich auf mein altes Dach direkt neue Ziegel legen?

Das hängt von der Unterkonstruktion und den vorhandenen Schichten ab. In der Regel wird der Bestand geprüft, weil Lattung, Unterdeckung und Anschlüsse mit erneuert werden sollten.

Muss ich Moos vom Ziegeldach entfernen?

Moos ist vor allem ein Hinweis auf Feuchte und kann Rinnen und Kehlen zusetzen. Lassen Sie entfernen, was die Entwässerung behindert, und vermeiden Sie hohen Wasserdruck.

Quellen

Begriffe aus diesem Beitrag

Dieser Beitrag gibt allgemeine Orientierung und ersetzt weder Fachplanung noch Rechtsberatung. Angaben zu Förderung und Recht erfolgen ohne Gewähr; maßgeblich sind die jeweils aktuellen Bedingungen.

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