Dacheindeckung & Materialkunde

Betondachsteine: Aufbau, Eigenschaften, Neigung, Pflege

Betondachsteine sind formstabile, nicht brennbare Dacheindeckungen aus Zement, Sand und Wasser. Sie sehen Tonziegeln ähnlich, werden aber anders hergestellt und altern anders. Hier lesen Sie, was sie leisten, welche Neigung sie brauchen und worauf Sie bei Pflege und Sanierung achten.

Stand: 5 Min. LesezeitRedaktion DEUTSCHE DACHWERKE

Dachfläche aus anthrazitfarbenen BetondachsteinenSymbolbild · KI-generiert

Was ist ein Betondachstein?

Betondachsteine werden aus Zement, Sand und Wasser in Formen gepresst und härten aus. Üblich ist eine zusätzliche, farbige Oberflächenschicht, die den Stein vor Witterung schützt und die Optik bestimmt. Der Stein ist mineralisch und nicht brennbar.

Kante eines Betondachsteins mit sichtbarer OberflächenschichtSymbolbild · KI-generiert

Gegenüber dem Tonziegel wird ein Betondachstein nicht gebrannt. Das macht die Herstellung gut steuerbar: Maße und Formen sind sehr gleichmäßig, die Farbpalette ist groß.

Aufbau und Wasserführung eines BetondachsteinsLinks der Querschnitt eines Betondachsteins mit Betonkern und dünner farbiger Oberflächenschicht. Rechts die Aufsicht mit Seitenfalz, Kopffalz und Pfeil für den Wasserlauf.QuerschnittOberflächenschicht (farbig)BetonkernAufsichtKopffalzSeitenfalzWasserlauf
Querschnitt mit Kern und Oberflächenschicht sowie Aufsicht mit Falzen, schematisch.

Eigenschaften im Überblick

  • Formstabil und maßhaltig: gleichmäßige Fugenbilder, viele Zubehörteile für First, Grat und Ortgang.
  • Große Farbauswahl: von Rot- und Brauntönen bis Anthrazit, matt oder leicht glänzend.
  • Gewicht: typisch 40 bis 55 kg/m², großformatige Steine etwa 42 bis 48 kg/m².
  • Nutzungsdauer: nach BNB-Tabelle mindestens 50 Jahre für Beton-Deckungen, als Rechenwert ohne Garantie.
  • Brandverhalten: der Stein ist nicht brennbar.

Welche Dachneigung brauchen Betondachsteine?

Die Regeldachneigung richtet sich nach Profil und Falz. Die Werte stammen aus der Fachregel für Dachziegel und Dachsteine (Gelbdruck 01.07.2023, ein Entwurf). Maßgeblich sind die aktuelle Fachregel und die Herstellerangaben.

Betondachsteine mit Falz auf der DachlattungSymbolbild · KI-generiert
Regeldachneigung laut Fachregel-Entwurf 2023
DachsteinartRegeldachneigung
Profilierte Dachsteine mit hoch liegendem Seitenfalz, Einfachdeckung22°
Ebene Dachsteine mit tief liegendem Seitenfalz25°
Ebene Dachsteine ohne Falz in Doppel- oder Kronendeckung30°
Ebene Dachsteine ohne Falz, Einfachdeckung mit Spließen40°

Quelle: ZVDH-Fachregel Dachziegel/Dachsteine, Gelbdruck 01.07.2023. Stand 20.10.2026, ohne Gewähr.

Betondachstein und Tonziegel im Vergleich

Betondachstein

Vorteile

  • Sehr gleichmäßige Maße und Fugenbilder
  • Große Auswahl an Farben und Profilen
  • Gängige Systemlösungen mit viel Zubehör

Zu beachten

  • Die Farbwirkung hängt von der Oberflächenschicht ab
  • Gewicht auf Ziegelniveau

Passt zu: Einfach geformte Satteldächer, Neubau und Sanierung

Tonziegel

Vorteile

  • Mineralische, durchgängig gebrannte Struktur
  • Sehr breite Formenvielfalt bis zu historischen Formen

Zu beachten

  • Bauformen und Neigungen stärker an die Ziegelart gebunden
  • Gewicht ebenfalls hoch

Passt zu: Dächer mit klassischer oder denkmalnaher Optik

Pflege, Moos und Beschichtung

Die Oberflächenschicht schützt den Stein. Eine Reinigung mit hohem Wasserdruck kann sie angreifen. Moos und Algen sind kein sofortiger Schaden, sollten aber nicht Rinnen, Kehlen oder Anschlüsse zusetzen. Lassen Sie eine Reinigung oder Neubeschichtung nur von einem Dachdeckerbetrieb ausführen, der das Verfahren auf Ihren Stein abstimmt.

  • Dach nach Sturm und Hagel sichten, lose oder gebrochene Steine ersetzen lassen
  • Kehlen, Rinnen und Anschlüsse frei halten
  • Keine Hochdruckreinigung ohne Abstimmung mit dem Fachbetrieb
  • Altes Dach nicht betreten, Trittsysteme nutzen lassen

Dachstein, Dachziegel, Dachpfanne: Begriffe sortieren

Im Alltag werden die Begriffe vermischt. Fachlich ist ein Dachstein aus Beton, ein Dachziegel aus gebranntem Ton. „Dachpfanne“ bezeichnet dagegen eine Form, die es in beiden Materialien gibt. Wenn Sie ein Angebot oder ein altes Gutachten lesen, lohnt sich deshalb der Blick auf das Material und nicht nur auf den Namen.

Was bei der Sanierung eines Betondachs zu klären ist

Bei älteren Dächern aus Betondachsteinen ist oft nicht der Stein das Problem, sondern das, was darunter liegt. Eine alte Unterdeckung kann spröde sein, Lattungen können feucht gewesen sein und Anschlüsse an Kamin und Wand sind häufig ein Schwachpunkt. Lassen Sie deshalb nicht nur die sichtbare Fläche beurteilen, sondern auch den Aufbau darunter, wie er im Beitrag Dachaufbau beschrieben wird.

  • Zustand der Steine: Risse, Abplatzungen der Oberflächenschicht, Kantenschäden
  • Befestigung: Klammern, Nägel, Sturmsicherung an Rand und First
  • Unterdeckung und Konterlattung: Alter, Dichtheit, Verlegung
  • Anschlüsse: Kamin, Wand, Dachfenster, Kehlen
  • Verfügbarkeit passender Steine und Formteile, falls nur ausgebessert wird

Wird neu eingedeckt, ist das ein guter Zeitpunkt, die Dämmung zu verbessern. Warum das zusammen geplant sein sollte, beschreibt der Beitrag Aufsparrendämmung.

Checkliste für Angebote mit Betondachsteinen

Damit Sie Angebote vergleichen können, sollten Hersteller, Modell, Farbe, Oberflächenschicht und Deckungsart genannt sein. Prüfen Sie außerdem, ob die Regeldachneigung des gewählten Steins zu Ihrem Dach passt und welche Zusatzmaßnahmen vorgesehen sind, falls sie unterschritten wird.

  • Hersteller, Modell, Format, Farbe und Oberflächenbehandlung
  • Regeldachneigung laut Herstellerangabe im Vergleich zur Dachneigung
  • Befestigung der Steine, insbesondere an Rand und First
  • Unterdeckung, Lattung und Anschlussdetails
  • Passende Formteile für First, Grat, Ortgang und Lüfter
  • Garantie- und Gewährleistungsangaben des Herstellers im Wortlaut

Fazit

Betondachsteine sind eine bewährte, formstabile Standardlösung für geneigte Dächer. Ihr Gewicht liegt auf Ziegelniveau, ihre rechnerische Nutzungsdauer nach BNB-Tabelle bei mindestens 50 Jahren, und die Farbauswahl ist groß. Entscheidend sind die passende Regeldachneigung, eine sorgfältige Befestigung und ein intakter Aufbau darunter. Wer diese Punkte prüfen lässt, bekommt ein Dach, das über viele Jahre wenig Aufmerksamkeit braucht. Wie sich die Eindeckung in den Gesamtvergleich einordnet, zeigt der Beitrag Dacheindeckung im Vergleich.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Betondachstein und Tonziegel?

Der Betondachstein besteht aus Zement, Sand und Wasser und wird nicht gebrannt, der Tonziegel aus gebranntem Ton. Beide sind nicht brennbar. Unterschiede liegen in Farbwirkung, Oberflächenaufbau und Formenvielfalt.

Wie schwer sind Betondachsteine?

Als Spanne gelten etwa 40 bis 55 kg/m², bei großformatigen Steinen etwa 42 bis 48 kg/m². Maßgeblich ist das Herstellerdatenblatt.

Wie lange halten Betondachsteine?

Die BNB-Tabelle setzt für Deckungen aus Beton mindestens 50 Jahre als Rechenwert an. Eine Garantie ist das nicht: Qualität, Verlegung, Wartung und Standort bestimmen die tatsächliche Dauer.

Welche Mindestneigung gilt für Betondachsteine?

Laut Fachregel-Entwurf 2023 liegt die Regeldachneigung je nach Falz und Deckungsart zwischen 22° und 40°. Darunter sind Zusatzmaßnahmen nötig, die Grenze liegt bei 10°.

Kann man Betondachsteine neu beschichten?

Das ist möglich, hängt aber vom Zustand der Steine und dem Verfahren ab. Lassen Sie sich vom Dachdecker zeigen, wie die Haftung geprüft wird und ob eine Neueindeckung die bessere Lösung ist.

Quellen

Begriffe aus diesem Beitrag

Dieser Beitrag gibt allgemeine Orientierung und ersetzt weder Fachplanung noch Rechtsberatung. Angaben zu Förderung und Recht erfolgen ohne Gewähr; maßgeblich sind die jeweils aktuellen Bedingungen.

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