Dacheindeckung & Materialkunde

Formziegel und Dachzubehör: First, Ortgang, Schneefang

Eine Dachfläche besteht nicht nur aus Ziegeln in der Fläche. Erst First, Ortgang, Grat, Lüfter und Schneefang machen ein Dach dicht, belüftet und sicher. Dieser Beitrag erklärt, welche Teile es gibt, welche Aufgabe sie haben und warum die Auswahl zum Ziegelsystem passen muss.

Stand: 4 Min. LesezeitRedaktion DEUTSCHE DACHWERKE

Firstziegel und Ortgang an einem SatteldachSymbolbild · KI-generiert

Was sind Formziegel?

Als Formziegel bezeichnet man alle Dachziegel mit besonderer Form, die nicht in der Fläche liegen, sondern Kanten, Übergänge und Durchdringungen ausbilden. Dazu kommen Zubehörteile aus Metall oder Kunststoff, etwa Schneefanggitter oder Lüftungselemente. Beides ist auf das jeweilige Ziegelsystem abgestimmt.

Zubehör auf der DachflächeRechteckige Dachfläche in der Draufsicht. Oben der First, an den Seiten der Ortgang, unten die Traufe mit Rinne. Auf der Fläche liegen Lüfterziegel, im unteren Bereich ein Schneefang.FirstOrtgangLüfterziegelSchneefangTraufe, Rinne
Dachfläche in der Draufsicht mit First, Ortgang, Traufe, Lüfterziegeln und Schneefang, schematisch.

Die wichtigsten Teile

Formziegel und Zubehör im Überblick
TeilLageAufgabe
FirstziegelAm First, der obersten KanteSchließt die Dachflächen ab, hält die Belüftung offen
GratziegelAm Grat, wo zwei Flächen nach außen laufenLeitet Wasser ab, schließt die Kante
OrtgangziegelAm seitlichen Dachrand des GiebelsSchützt die Kante, lenkt Wasser nach unten
Traufziegel und TraufbereichAn der Traufe, untenFührt das Wasser in die Rinne
LüfterziegelIn der Fläche oder am FirstBe- und Entlüftung des Dachraums
DurchgangsziegelIn der FlächeDurchführung für Antennen, Leitungen, Entlüftungen
SchneefangIm unteren Bereich über Eingängen, Wegen, RinnenHält Schnee zurück, verhindert Dachlawinen

Allgemeine Einordnung. Bezeichnungen und Teile sind je nach Hersteller verschieden.

First und Ortgang: die Ränder

Am First treffen zwei Dachflächen aufeinander. Hier wird der Dachraum belüftet, zugleich muss die Fuge dicht gegen Regen und Flugschnee sein. Firstziegel werden meist trocken verlegt und mit Klammern gesichert, bei Altbestand findet man auch Mörtelbetten. Am Ortgang endet die Fläche seitlich, dort schützen Ortgangziegel oder -bleche die Kante. Sturmsog ist an Rand und First besonders hoch, deshalb ist die Befestigung wichtig.

Lüfterziegel und Durchgangsziegel

Lüfterziegel und Firstlüftung sorgen dafür, dass der Raum unter der Eindeckung belüftet wird. Das ist besonders bei kaltem Wetter und Dämmung wichtig, damit Feuchte nicht im Dach bleibt. Die Planung der Belüftung gehört zum Dachaufbau. Durchgangsziegel führen Antennen, Leitungen oder Entlüftungen durch die Eindeckung. Sie müssen genau zum Ziegel passen und mit der Unterdeckung dicht angeschlossen sein.

Lüfterziegel in einer rotbraunen ZiegelflächeSymbolbild · KI-generiert

Schneefang: Pflicht oder Kür?

Ob ein Schneefang nötig ist, hängt von Dachneigung, Region, Dachform und Nutzung der Fläche darunter ab. In schneereichen Gebieten und über Gehwegen, Eingängen und Terrassen wird er häufig eingesetzt. Teils schreiben örtliche Satzungen ihn vor. Zubehör und Befestigung richten sich nach Eindeckung und Schneelast. Fragen Sie den Fachbetrieb nach der passenden Lösung und lassen Sie die Befestigung an den Sparren prüfen.

Schneefanggitter auf einer ZiegelflächeSymbolbild · KI-generiert

Worauf Sie bei der Sanierung achten

  • Zubehör vom selben Hersteller und Ziegelsystem wählen, damit Maße und Farben passen
  • Bei Altbestand prüfen, ob das Zubehör noch erhältlich ist
  • Firstbefestigung auf Windlast und Sturm prüfen lassen
  • Lüftung und Dämmung abstimmen
  • Lüfter- und Durchgangsziegel nicht in der Nähe von Kehlen setzen lassen

Die Grundlagen zur Eindeckung finden Sie in den Beiträgen Tonziegel und Ziegelformen und Oberflächen.

Kehlen, Grate und Anschlüsse

Wo Dachflächen in einem Winkel nach innen aufeinandertreffen, entsteht eine Kehle. Hier sammelt sich viel Wasser, deshalb wird sie meist mit Metall ausgekleidet und sauber an die Ziegel angeschlossen. Am Grat, wo zwei Flächen nach außen laufen, werden Gratziegel oder -bleche verlegt. Ähnlich sensibel sind Anschlüsse an Wände, Kamine und Dachfenster, die mit Blechen und Anschlussbahnen ausgeführt werden.

Diese Details entscheiden stärker über die Dichtheit als die Fläche selbst. Bitten Sie den Betrieb, Kehlen und Anschlüsse im Angebot zu benennen. Das macht Angebote vergleichbar und zeigt, ob die Details bedacht sind.

Dachrinne, Traufblech und Vogelschutz

Zum Zubehör am unteren Rand gehören Dachrinne und Fallrohre, Traufblech und Vogelschutzgitter an der Traufe. Das Gitter hält Vögel und Kleintiere aus dem Dachraum fern und lässt gleichzeitig Luft zur Hinterlüftung durch. Rinnen aus Zink, Kupfer, Aluminium und Edelstahl haben nach der BNB-Tabelle eine rechnerische Nutzungsdauer von mindestens 50 Jahren, Rinnen aus Kunststoff von 20 Jahren. Das sind Rechenwerte ohne Garantie.

Checkliste für Angebote: Zubehör benennen lassen

Zubehör wird in Angeboten gern zusammengefasst. Damit Sie vergleichen können, sollten die wichtigsten Teile einzeln genannt werden:

  • First- und Gratausbildung mit Ziegeln oder Zubehör, trocken oder mit Mörtel, Befestigung
  • Ortgang: Ziegel, Blech oder Kombination, Befestigung
  • Anzahl und Lage von Lüfterziegeln, First- und Traufentlüftung
  • Durchgangsziegel für Antenne, Entlüftung und Leitungen
  • Schneefang: System, Anzahl der Reihen und Befestigung an den Sparren
  • Rinne, Fallrohre, Traufblech und Vogelschutz

Fazit

Formziegel und Zubehör sind unscheinbar, entscheiden aber über Dichtheit, Belüftung und Sicherheit. First, Grat, Ortgang, Kehlen, Lüfter, Durchgänge und Schneefang müssen zum Ziegelsystem, zur Dachform und zur Region passen. Lassen Sie sie im Angebot einzeln benennen und planen Sie sie bei der Sanierung gleich mit. So vermeiden Sie spätere Eingriffe in eine fertige Eindeckung.

Häufige Fragen

Was ist ein Firstziegel?

Ein Formziegel, der den First, die oberste Kante des Daches, abdeckt. Er schließt die Flächen ab und lässt Belüftung zu.

Wozu dient ein Lüfterziegel?

Er belüftet den Raum unter der Eindeckung, damit Feuchte abziehen kann. Wie viele Lüfter nötig sind, hängt vom Aufbau ab.

Brauche ich einen Schneefang?

Das hängt von Neigung, Region und Nutzung darunter ab. In schneereichen Gebieten und über Wegen und Eingängen ist er üblich. Manche Satzungen verlangen ihn.

Kann ich Zubehör nachträglich ergänzen?

Ja, aber es erfordert Eingriffe in die Eindeckung. Besser ist, Lüfter, Durchgänge und Schneefang bei der Sanierung gleich mit zu planen.

Wie wird der Ortgang gesichert?

Mit passenden Ortgangziegeln oder Blechen und einer Befestigung, die auf Windsog ausgelegt ist. Der Fachbetrieb wählt die Lösung zum Ziegelsystem.

Quellen

Begriffe aus diesem Beitrag

Dieser Beitrag gibt allgemeine Orientierung und ersetzt weder Fachplanung noch Rechtsberatung. Angaben zu Förderung und Recht erfolgen ohne Gewähr; maßgeblich sind die jeweils aktuellen Bedingungen.

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