Dacheindeckung & Materialkunde

Bitumenschindeln: Eigenschaften, Neigung, Lebensdauer

Bitumenschindeln sind leichte, flexible Dachdeckungen, die sich auch auf Rundungen und kleinen Dächern verlegen lassen. Sie sind günstig in der Konstruktionslast, haben aber eine kürzere Nutzungsdauer als Ziegel oder Schiefer. Hier lesen Sie, wofür sie sich eignen und worauf es bei der Verlegung ankommt.

Stand: 5 Min. LesezeitRedaktion DEUTSCHE DACHWERKE

Anbau mit anthrazitfarbenem BitumenschindeldachSymbolbild · KI-generiert

Was sind Bitumenschindeln?

Bitumenschindeln bestehen aus einer Trägereinlage (meist Glasvlies), die mit Bitumen beschichtet und oben mit mineralischem Granulat bestreut ist. Das Granulat schützt vor UV-Licht und gibt die Farbe. Unten tragen viele Schindeln einen Klebestreifen, der sie mit der Lage darunter verklebt.

Nahaufnahme verlegter Bitumenschindeln mit GranulatSymbolbild · KI-generiert
Aufbau und Verlegung von BitumenschindelnLinks die Schichten einer Schindel: Oberseite mit mineralischem Granulat, Trägereinlage im Bitumen und Unterseite mit Klebestreifen. Rechts die Aufsicht: Lagen mit Laschen überdecken sich versetzt, Nägel halten sie.Schichten einer SchindelGranulatTrägereinlage im BitumenKlebestreifenAufsicht: Lagen mit LaschenNägel (Kreuze) im vorgesehenen Streifen,die nächste Lage verdeckt sie.
Schichten einer Schindel und versetzte Lagen mit Laschen, schematisch.

Wofür eignen sie sich?

  • Dächer mit geringer Tragreserve, weil das Gewicht niedrig ist
  • Rundungen, Gauben, Erker und Anbauten, weil die Schindeln flexibel sind
  • Nebengebäude, Carports und Gartenhäuser
  • Sanierungen, bei denen schnell eingedeckt werden soll

Auf einer geschlossenen, nagelbaren Unterlage, zum Beispiel Schalung oder Holzwerkstoffplatten, werden die Schindeln lagenweise aufgenagelt. Die Unterkonstruktion muss eben, trocken und tragfähig sein. Auf alten Schindeln oder ungeeignetem Untergrund wird nicht ohne Prüfung gedeckt.

Neigung, Gewicht und Lebensdauer

  • Neigung: Produktangaben nennen eine Verlegung auf nagelbarer Unterkonstruktion von 15° bis 85°. Ein Hersteller nennt Mindestneigungen im Bereich von 15° bis 25°, bei Sparrenlängen über 10 m kommen 5° dazu. Maßgeblich sind die ZVDH-Regeln für Dachdeckungen mit Bitumenschindeln (Ausgabe 06/2001) und das Herstellerdatenblatt.
  • Gewicht: etwa 10 bis 15 kg/m², also deutlich leichter als Ziegel.
  • Nutzungsdauer: laut BNB-Tabelle rechnerisch 25 Jahre. Das ist ein Rechenwert ohne Garantie, kürzer als bei Ziegel, Schiefer oder Metall.

Vor- und Nachteile

Bitumenschindeln

Vorteile

  • Leicht, geringe Last
  • Flexibel bei Rundungen und Details
  • Zügig verlegt, viele Farben

Zu beachten

  • Kürzere Nutzungsdauer
  • Verlegung bei sehr kalter oder sehr heißer Witterung anspruchsvoller
  • Granulatverlust im Lauf der Jahre

Passt zu: Anbauten, Nebengebäude, leichte Dächer

Metall-Stehfalz

Vorteile

  • Lange Nutzungsdauer
  • Auch bei geringer Neigung möglich

Zu beachten

  • Anspruchsvolle Verarbeitung
  • Optik nicht überall erwünscht

Passt zu: Moderne Dächer, flache Neigungen

Verlegung und Pflege

So werden Bitumenschindeln typischerweise gedeckt

  1. Untergrund prüfen

    Schalung oder Platten müssen eben, trocken und sicher befestigt sein.

  2. Unterlage verlegen

    Eine geeignete Unterlagsbahn, am Traufbereich mit Traufblech oder Starterstreifen.

  3. Schindeln lagenweise nageln

    Die Schindeln werden mit der vom Hersteller vorgegebenen Nagelung und Überdeckung gelegt.

  4. Anschlüsse ausbilden

    First, Grate, Ortgang und Durchdringungen werden dicht ausgebildet.

  5. Kontrolle

    Klebestreifen und Nagelungen werden geprüft, Nagelköpfe dürfen nicht sichtbar sein.

Im Betrieb braucht das Dach wenig Pflege. Entfernen Sie Laub, kontrollieren Sie nach Stürmen die Lagen und lassen Sie lose Laschen neu verkleben. Moosbewuchs sollte nicht mit Hochdruck entfernt werden.

Formen und Farben

Bitumenschindeln gibt es mit geraden, rechteckigen oder abgerundeten Laschen, auch als Biberschwanz- oder Schuppenform. Die Farbpalette reicht von Schwarz und Anthrazit über Braun und Rot bis zu Grün und Blau. Weil das Granulat die Farbe bestimmt, wirkt die Fläche matt und gleichmäßig. Ob eine Farbe zur Umgebung passt, sehen Sie am besten an einer größeren Musterfläche oder einem fertigen Dach.

Runde Dachgaube mit BitumenschindelnSymbolbild · KI-generiert

Für Dächer mit Vorgaben aus Bebauungsplan oder Satzung ist wichtig: Bitumenschindeln sind nicht überall zulässig. Fragen Sie vorab nach, siehe Dachfarben und Ortsbild.

Typische Fehler vermeiden

  • Zu wenige oder falsch gesetzte Nägel, besonders in Wind- und Randzonen
  • Verlegung bei sehr niedrigen Temperaturen, bei denen der Klebestreifen nicht anzieht
  • Fehlende oder falsche Unterlage und Anschlussdetails an Kehlen und Wänden
  • Zu geringe Neigung für das gewählte Produkt
  • Falsche Reinigung: Hochdruck löst Granulat, später wird die Schindel schneller spröde

Wann Bitumenschindeln sinnvoll sind und wann nicht

Bitumenschindeln sind dann eine gute Wahl, wenn Gewicht und Formflexibilität im Vordergrund stehen: bei leichten Dachkonstruktionen, runden Gauben, kleinen Anbauten oder wenn nur ein Teil des Daches neu gedeckt wird. Sie sind weniger geeignet, wenn Sie eine sehr lange Nutzungsdauer erwarten, wenn Satzung oder Denkmalschutz eine mineralische Eindeckung vorschreiben oder wenn die Fläche sehr flach ist und das Produkt dafür keine Freigabe hat.

  • Gut: Anbauten, Gartenhäuser, Gauben mit Rundungen, leichte Dachkonstruktionen
  • Mit Prüfung: Wohnhausdächer, wenn Neigung, Unterlage und Sparrenlänge passen
  • Eher nicht: denkmalgeschützte Dächer, Dächer mit Vorgaben für Ziegel oder Schiefer

Die Entscheidung hängt außerdem von der Erwartung ab: Wer sicher in 25 Jahren erneuern will, kann Bitumenschindeln einplanen. Wer das Dach für Jahrzehnte ohne größere Arbeiten wünscht, findet in anderen Eindeckungen mehr Reserve. Einen Überblick gibt der Vergleich der Dacheindeckungen.

Fazit

Bitumenschindeln sind leicht, formflexibel und gut für kleine Dächer, Rundungen und Anbauten geeignet. Ihre rechnerische Nutzungsdauer von 25 Jahren liegt unter der von Ziegel, Schiefer oder Metall, dafür ist die Last auf der Konstruktion gering. Wichtig sind eine geeignete Unterlage, die richtige Nagelung, eine ausreichende Neigung für das gewählte Produkt und sorgfältige Details. Wer das beachtet, bekommt eine solide, leichte Eindeckung für den passenden Einsatz.

Häufige Fragen

Wie lange halten Bitumenschindeln?

Die BNB-Tabelle setzt 25 Jahre als Rechenwert an. Die tatsächliche Dauer hängt von Qualität, Neigung, Sonneneinstrahlung und Pflege ab. Eine Garantie ist das nicht.

Welche Neigung brauchen Bitumenschindeln?

Hersteller nennen eine Verlegung ab etwa 15°, teils höher. Bei langen Sparren kommen Zuschläge dazu. Verbindlich sind die ZVDH-Regeln und das Datenblatt des gewählten Produkts.

Wie schwer sind Bitumenschindeln?

Typisch sind etwa 10 bis 15 kg/m², deutlich weniger als bei Ziegeln oder Beton.

Kann ich Bitumenschindeln auf das alte Dach legen?

Nur, wenn der Untergrund geeignet ist, und das entscheidet der Fachbetrieb nach Prüfung. Häufig wird der Bestand zurückgebaut, damit Unterkonstruktion und Anschlüsse mit geprüft werden.

Sind Bitumenschindeln für Hausdächer geeignet?

Ja, sie werden auch auf Wohnhäusern eingesetzt. Besonders sinnvoll sind sie bei geringer Tragreserve und bei Rundungen. Für sehr lange Standzeiten sind mineralische Eindeckungen oder Metall besser geeignet.

Quellen

Begriffe aus diesem Beitrag

Dieser Beitrag gibt allgemeine Orientierung und ersetzt weder Fachplanung noch Rechtsberatung. Angaben zu Förderung und Recht erfolgen ohne Gewähr; maßgeblich sind die jeweils aktuellen Bedingungen.

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