Dachaufbau & Konstruktion

Dachentwässerung: Rinne, Fallrohr, Material, Bemessung

Die Dachentwässerung sammelt das Regenwasser an der Traufe und führt es sicher ab. Rinne, Fallrohr und Anschluss müssen zur Dachfläche passen. Die Bemessung folgt DIN 1986-100 und DIN EN 12056-3.

Stand: 5 Min. LesezeitRedaktion DEUTSCHE DACHWERKE

Dachrinne und Fallrohr an einer hellen HausfassadeSymbolbild · KI-generiert

Wozu die Dachentwässerung?

Ohne Rinnen würde Regenwasser ungeordnet an der Fassade herunterlaufen oder am Sockel Schäden verursachen. Die Dachentwässerung sammelt das Wasser an der Traufe und führt es durch Fallrohre in die Regenwasserleitung, in eine Versickerung oder in eine Zisterne.

Die Bauteile

Bauteile der DachentwässerungSeitenansicht eines Hauses mit Dachfläche. An der Traufe hängt die Dachrinne mit leichtem Gefälle zum Rinnenstutzen, von dort läuft das Fallrohr an der Wand nach unten und mündet in die Regenwasserleitung am Boden.DachflächeRinnenstutzenFallrohrAnschluss RegenwasserDachrinne mit GefälleSeitenansicht, schematisch
Rinne mit Gefälle, Stutzen und Fallrohr (schematisch).
  • Dachrinne: hängt an Rinnenhaltern an der Traufe, mit leichtem Gefälle zum Fallrohr.
  • Rinnenstutzen oder Rinnenkessel: verbindet Rinne und Fallrohr.
  • Fallrohr: führt das Wasser senkrecht nach unten.
  • Rinnenendstücke, Ecken, Verbinder: schließen die Rinne ab und führen sie um Ecken.
  • Laubfang oder Standrohr-Filter: halten groben Schmutz zurück.
  • Anschluss an Kanal, Versickerung oder Zisterne: am Fuß des Fallrohrs.
Dachrinne mit Laub von obenSymbolbild · KI-generiert

Materialien im Vergleich

Rechnerische Nutzungsdauern nach Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB, Stand 2017)
MaterialNutzungsdauerBesonderheit
Zink, Kupfer, Aluminium, Edelstahlmindestens 50 JahreLanglebig, höherer Materialpreis, Kupfer und Zink bilden eine Patina
Stahl verzinkt (beschichtet 40 Jahre)30 JahreRobust, Beschichtung schützt vor Korrosion
Kunststoff20 JahreLeicht und günstig in der Herstellung, kann durch UV-Licht altern

Quelle: BBSR/BNB, Nutzungsdauern von Bauteilen, Stand 24.02.2017 (Faktenblatt Technik, 20.10.2026). Rechenwerte, keine Garantie. Die tatsächliche Dauer hängt von Pflege, Standort und Qualität ab.

Wie wird die Entwässerung bemessen?

Die Bemessung folgt der DIN 1986-100 und der DIN EN 12056-3. Grob gilt: Der Abfluss Q in Litern pro Sekunde ergibt sich aus der Regenspende r, dem Abflussbeiwert C und der abflusswirksamen Dachfläche A: Q = r × C × A / 10.000, mit r in l/(s·ha) und A in m². Für Dachentwässerungen wird ein Regen angesetzt, der statistisch alle fünf Jahre vorkommt. Wenn keine örtliche Regenspende (KOSTRA-DWD) vorliegt, kann nach Quellen pauschal 300 l/(s·ha) angesetzt werden, mit einem gebäudeabhängigen Sicherheitsfaktor.

Welche Rinnengröße und welche Fallrohrnennweite daraus folgen, legen die Herstellertabellen und die Klempnerfachregeln fest. Sie hängen von Dachfläche, Gefälle, Länge und Anzahl der Fallrohre ab. Eine Faustformel ohne Randbedingungen wäre irreführend. Das Dach ist Teil des Ganzen: Für Gauben und Kehlen entsteht konzentrierter Abfluss, der mehr verlangt als die einfache Fläche.

Worauf es bei der Sanierung ankommt

  • Gefälle und Halter: Die Rinne braucht gleichmäßiges Gefälle zum Fallrohr, damit kein Wasser steht.
  • Rinnenhalter am Sparren: Sie werden zusammen mit der Eindeckung befestigt. Bei einer Neueindeckung bietet es sich an, die Rinne gleich mit zu erneuern.
  • Traufblech und Rinnenanschluss: Wasser von der Unterdeckung soll in der Rinne und nicht dahinter landen.
  • Schneelast: Rinnen und Halter müssen Eis und Schnee tragen. In schneereichen Lagen werden verstärkte Halter und Schneefang eingesetzt. Siehe Blitzschutz, Schneefang und Absturzsicherung.
  • Fallrohr am richtigen Ort: Unter Fallrohren entsteht Wasserlauf. Das gilt auch für Gauben.
  • Regenwasser nutzen: Zisterne oder Versickerung können sinnvoll sein. Das sollte vorab mit der Kommune und dem Fachbetrieb geklärt werden.
Typische Mängel und Folgen
MangelFolge
Verstopfte RinneÜberlauf, Wasser an der Fassade, Frostschäden
Rinne ohne GefälleStehendes Wasser, Korrosion, Moos
Lose HalterRinne hängt durch oder löst sich bei Schnee
Undichte VerbinderTropfen an Fassade und Sockel
Zu kleine FallrohreRückstau, Überlauf bei Starkregen
Rinnenstutzen und Fallrohranschluss in ZinkSymbolbild · KI-generiert

Formen der Dachrinne

RinnenformMerkmalTypischer Einsatz
Halbrund (Standard)Klassische Form, bewährt, vielfach verfügbarWohnhäuser, Ziegeldächer
KastenrinneRechteckiger Querschnitt, höhere WassermengeModerne Architektur, größere Dachflächen
HängerinneAuf Rinnenhaltern an der Traufe aufgehängtDie meisten Wohnhäuser
Vorgehängte oder innenliegende RinneIn die Konstruktion integriertHistorische Gebäude, Attikadächer, Sonderformen
Mauerrinne und KehlrinneFließt entlang von Wänden oder in KehlenAnbauten, Dächer mit Wandanschluss

Pflege und Wartung

  • Rinnen im Herbst nach dem Laubfall und im Frühjahr kontrollieren und reinigen lassen.
  • Fallrohre auf Verstopfungen prüfen, zum Beispiel durch Wasserprobe.
  • Rinnenhalter und Verbinder nach Schneelast und Sturm ansehen.
  • Rost, Risse und Löcher frühzeitig reparieren, bevor Wasser in die Fassade läuft.
  • Dachlawinen können Rinnen verbiegen. Schneefang kann das verhindern.

Regenwasser sinnvoll nutzen

Regenwasser muss nicht in den Kanal fließen. Je nach Kommune und Grundstück kann es versickern oder in einer Zisterne gesammelt und für den Garten oder, mit entsprechender Technik, im Haus genutzt werden. Dabei sind örtliche Vorgaben zu beachten: Manche Gemeinden fördern die Versickerung, andere schreiben den Anschluss an die Kanalisation vor. Klären Sie das vor der Planung, weil Fallrohre und Anschlussleitungen entsprechend ausgeführt werden müssen.

Häufige Fragen

Welches Material ist für Dachrinnen am besten?

Zink, Kupfer, Aluminium und Edelstahl haben nach der BNB-Tabelle die längste rechnerische Nutzungsdauer, mindestens 50 Jahre. Kunststoff hält rechnerisch etwa 20 Jahre. Die Wahl hängt von Optik, Eindeckung und Pflege ab.

Wie viel Gefälle braucht eine Dachrinne?

Die Rinne braucht ein gleichmäßiges leichtes Gefälle zum Fallrohr. Das genaue Maß geben Hersteller und Fachregeln vor. Entscheidend ist, dass kein Wasser stehen bleibt.

Wann sollte ich die Dachrinne reinigen?

Mindestens einmal im Jahr, besser im Herbst nach dem Laubfall und nach Stürmen. Bei vielen Bäumen in der Nähe öfter.

Brauche ich bei einem Flachdach eine Notentwässerung?

Bei Flachdächern und Dächern mit Attika sind zusätzlich zur Hauptentwässerung Notüberläufe oder Notabläufe vorgesehen. Die Anforderungen ergeben sich aus DIN 1986-100.

Darf ich Regenwasser auf dem Grundstück versickern lassen?

Das hängt von Gemeinde, Boden und örtlichen Satzungen ab. Fragen Sie bei der Kommune oder dem Fachbetrieb nach. Pauschal lässt sich das nicht beantworten.

Muss jedes Dach eine Rinne haben?

Nicht zwingend, aber in der Regel ist sie sinnvoll. Ohne Rinne läuft das Wasser an der Fassade herunter. Landesrecht und örtliche Satzungen können Vorgaben machen.

Wie viele Fallrohre braucht ein Haus?

Das richtet sich nach Dachfläche, Rinnenlänge und Bemessung. Je größer die Fläche, desto mehr Fallrohre. Die Berechnung folgt DIN 1986-100.

Was kostet eine neue Dachrinne?

Das hängt von Material, Länge und Ausführung ab. Preise nennen wir hier nicht. Im Dachrechner erhalten Sie in wenigen Minuten eine Kosteneinschätzung.

Quellen

Begriffe aus diesem Beitrag

Dieser Beitrag gibt allgemeine Orientierung und ersetzt weder Fachplanung noch Rechtsberatung. Angaben zu Förderung und Recht erfolgen ohne Gewähr; maßgeblich sind die jeweils aktuellen Bedingungen.

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