Dachformen

Satteldach: Merkmale, Vor- und Nachteile, Sanierung

Das Satteldach ist die häufigste Dachform in Deutschland. Zwei geneigte Flächen treffen am First zusammen, an den Giebelseiten schließen Wände ab. Die Form ist einfach, bewährt und für die Sanierung gut zugänglich.

Stand: 5 Min. LesezeitRedaktion DEUTSCHE DACHWERKE

Einfamilienhaus mit Satteldach und GiebelseiteSymbolbild · KI-generiert

Merkmale des Satteldachs

Ein Satteldach besteht aus zwei Dachflächen, die in einem waagerechten First zusammenlaufen. Die beiden unteren Kanten bilden die Traufen. An den Stirnseiten stehen Giebelwände, die seitliche Dachkante heißt Ortgang. Die Neigung liegt häufig im mittleren Bereich, kann aber je nach Region und Epoche stark variieren.

Satteldach in der IsometrieHaus mit Satteldach: zwei geneigte Dachflächen treffen am First zusammen, die Giebelwand schließt seitlich dreieckig ab.FirstTraufeOrtgangGiebel
Satteldach in der Isometrie (schematisch).

Vor- und Nachteile

AspektVorteilNachteil
KonstruktionEinfach und bewährt, übersichtliche DetailsGiebelseiten sind Windangriffsflächen, der Ortgang braucht sorgfältige Befestigung
Wasser und SchneeLaufen gut abBei sehr steilen Dächern aufwendigeres Arbeiten und Gerüst
DachraumGroßer, gut nutzbarer Raum, auch für den AusbauSchrägen schränken die Möblierung ein
MaterialViele Eindeckungen passenNeigung muss zur Regeldachneigung passen
SolarGroße, einheitliche FlächenDie Ausrichtung bestimmt den Ertrag

Das Satteldach gilt als Standardform, an der sich andere Dachformen messen lassen, etwa [Walmdach](artikel:walmdach) und [Pultdach](artikel:pultdach).

Ortgang eines Satteldachs von unten gesehenSymbolbild · KI-generiert

Typische Baujahre und Verbreitung

Satteldächer wurden über Jahrhunderte gebaut und prägen Dorf und Stadt. Besonders häufig sind sie bei Wohnhäusern der Nachkriegszeit und bei Siedlungshäusern der folgenden Jahrzehnte. Als grobe Orientierung: Dächer aus dieser Zeit haben oft wenig oder keine Dämmung, keine Unterdeckung und Eindeckungen, die ihre Nutzungsdauer erreicht haben. Die Angaben sind eine Orientierung, die Verhältnisse sind regional und von Haus zu Haus verschieden.

Dachraum und Nutzung

  • Spitzboden: ungenutzter oder als Stauraum genutzter Raum oberhalb der obersten Decke.
  • Ausgebautes Dachgeschoss: Wohnraum mit Schrägen, mit Dachfenstern oder Gauben für mehr Licht und Höhe.
  • Kniestock: Ein Kniestock, also eine kurze senkrechte Wand unter der Traufe, vergrößert die nutzbare Höhe. Bei niedrigem Kniestock sind Schrägen weit in den Raum geneigt.
  • Pfetten- oder Sparrenkonstruktion: Sie entscheidet, wie frei der Raum ist. Siehe Sparren und Dachstuhl.
Spitzboden eines Satteldachs mit GiebelfensterSymbolbild · KI-generiert

Besonderheiten bei der Sanierung

Worauf es beim Satteldach ankommt
ThemaBesonderheit
DämmungZwischen-, Aufsparren- oder Untersparrendämmung sind möglich. Große ebene Flächen erleichtern eine durchgehende Dämmebene. Siehe Aufsparrendämmung. Die Giebelwand ist Wärmebrücke und braucht Anschluss an die Dachdämmung.
EindeckungAlle gängigen Eindeckungen kommen infrage. Die Regeldachneigung des gewählten Materials muss zur Dachneigung passen.
EntwässerungRinnen an beiden Traufen, Fallrohre an den Ecken. Die Rinnenlänge ist je Seite identisch, das erleichtert die Planung. Siehe Dachentwässerung.
OrtgangWird mit Ortgangziegeln oder Blech abgeschlossen. Bei Sturm besonders wichtig.
FirstFirstziegel mit Lüftung, mechanisch gegen Sturm gesichert.

Dachneigung und Eindeckung

Die Neigung eines Satteldachs bestimmt, welche Eindeckung möglich ist. Jede Eindeckung hat eine Regeldachneigung, ab der sie ohne Zusatzmaßnahmen als regensicher gilt. Für Tondachziegel nennt der Fachregel-Entwurf 2023 je nach Ziegeltyp Werte zwischen 22° und 40°. Bei Betondachsteinen liegen sie ebenfalls zwischen 22° und 40°. Die Mindestdachneigung beträgt 10°. Darunter ist eine Deckung mit Ziegeln laut Entwurf nicht zulässig. Bei Metall und Bitumenschindeln gelten Herstellerangaben.

Regeldachneigung ausgewählter Eindeckungen (Orientierung)
EindeckungRegeldachneigung
Ringfalzziegel, Einfachdeckung22°
Doppelmuldenfalz-, Reform-, Glatt-, Verschiebeziegel (Standard)30°
Biberschwanz in Doppel- oder Kronendeckung30°
Hohlpfanne in Vorschnittdeckung, Mönch und Nonne40°

Quelle: ZVDH-Fachregel Dachziegel/Dachsteine, Gelbdruck 01.07.2023 (Entwurf), Stand der Auswertung 20.10.2026. Die aktuell gültige Ausgabe kann abweichen.

Der Ortgang im Detail

Die seitlichen Dachränder am Giebel heißen Ortgang. Sie sind bei Sturm stark beansprucht, weil der Wind von der Seite unter die Eindeckung greifen kann. Üblich sind Ortgangziegel, Ortgangbretter oder Metallprofile. Wichtig ist eine feste mechanische Befestigung und ein sauberer Anschluss an die Giebelwand. Bei einer Sanierung bietet es sich an, auch die Ortgangbretter und -bleche zu erneuern, weil sie früher altern als die Ziegel.

So gehen Sie bei der Sanierung vor

  1. Zustand erfassen

    Eindeckung, Unterkonstruktion, Anschlüsse und Entwässerung werden vor Ort angesehen und dokumentiert.

  2. Ziele klären

    Soll nur die Eindeckung erneuert werden, oder auch gedämmt und der Dachraum ausgebaut werden?

  3. Vorgaben prüfen

    Bebauungsplan, Satzungen, Denkmalschutz und Anforderungen des GModG werden vorab geklärt.

  4. Kosten einschätzen

    Im Dachrechner erhalten Sie in wenigen Minuten eine erste Kosteneinschätzung.

  5. Angebot nach Prüfung

    Nach der Prüfung am Gebäude folgt das Leistungsangebot ohne lange Wartezeit.

Häufige Fragen

Welche Neigung hat ein typisches Satteldach?

Das ist sehr unterschiedlich. Viele Satteldächer liegen im mittleren Bereich. Entscheidend ist, dass die Neigung zur Regeldachneigung der Eindeckung passt. Bei Ziegeln liegt sie laut Fachregel-Entwurf 2023 je nach Typ zwischen 22° und 40°.

Wie nutze ich den Dachraum eines Satteldachs am besten?

Der Dachraum lässt sich als Stauraum oder als Wohnraum nutzen. Für den Ausbau sind Dämmung, Luftdichtung, Belichtung und eine tragfähige Konstruktion wichtig. Dachfenster und Gauben schaffen Licht und Raum.

Was ist der Unterschied zwischen Satteldach und Giebeldach?

Beide Begriffe meinen dasselbe. Das Giebeldach wird so genannt, weil seine Stirnseiten als Giebel ausgebildet sind.

Ist ein Satteldach günstig zu sanieren?

Wegen der einfachen Geometrie ist es meist übersichtlich zu planen. Die Kosten hängen jedoch von Fläche, Eindeckung, Anschlüssen und Dämmung ab. Eine Kosteneinschätzung erhalten Sie im Dachrechner.

Eignet sich das Satteldach für Photovoltaik?

Ja, vor allem bei südlicher Ausrichtung. Die Eignung hängt von Neigung, Ausrichtung, Verschattung und Tragfähigkeit ab.

Wie hoch ist der Dachraum beim Satteldach?

Das hängt von Neigung, Gebäudebreite und Kniestock ab. Je steiler das Dach, desto höher der Raum unter dem First. Bei flacher Neigung bleibt weniger Raum.

Was kostet die Sanierung eines Satteldachs?

Das hängt von Fläche, Eindeckung, Dämmung und Anschlüssen ab. Preise nennen wir hier nicht. Der Dachrechner liefert in wenigen Minuten eine Kosteneinschätzung.

Kann ich ein Satteldach aufstocken?

Ein Ausbau oder eine Aufstockung verändert Statik und äußere Gestalt. Sie sind oft genehmigungspflichtig. Fragen Sie vorher bei der Bauaufsicht.

Quellen

Begriffe aus diesem Beitrag

Dieser Beitrag gibt allgemeine Orientierung und ersetzt weder Fachplanung noch Rechtsberatung. Angaben zu Förderung und Recht erfolgen ohne Gewähr; maßgeblich sind die jeweils aktuellen Bedingungen.

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