Dämmung

Holzfaser und nachwachsende Dämmstoffe für das Dach

Nachwachsende Dämmstoffe wie Holzfaser, Zellulose oder Hanf dämmen im Dach solide, sind diffusionsoffen und speichern wegen ihrer höheren Rohdichte im Sommer mehr Wärme als leichte Stoffe. Sie sind brennbar und brauchen oft mehr Dicke. Dieser Beitrag stellt die Stoffe vor und zeigt, wann sie ihre Stärken ausspielen.

Stand: 5 Min. LesezeitRedaktion DEUTSCHE DACHWERKE

Holzfaser-Dämmplatten in warmem Braunton auf einem Dachstuhl aus Holz bei weichem TageslichtSymbolbild · KI-generiert

Was gehört zu den nachwachsenden Dämmstoffen?

Als nachwachsend gelten Dämmstoffe, die aus pflanzlichen oder tierischen Rohstoffen bestehen. Im Dach sind das vor allem Holzfaser in Platten und Matten, Zellulose aus aufbereitetem Altpapier, Hanf und Flachs, Schafwolle und Holzwolleplatten. Dazu kommt Stroh, das in Ballenform als Nischenlösung im Holzbau vorkommt und eine bauaufsichtliche Zulassung und Fachplanung verlangt; für Stroh liegen im Redaktionsstand keine belegten Kennwerte vor.

Gemeinsam ist den Stoffen, dass sie diffusionsoffen sind und Feuchte aufnehmen und wieder abgeben können. Sie sind brennbar (Baustoffklasse B2, Euroklasse E), was im Dach durch Aufbau und Bekleidung geregelt wird.

Nachwachsende Dämmstoffe im Vergleich (Herstellerspannen)
Dämmstoffλ in W/(m·K)Rohdichte in kg/m³µTypischer Einsatz im Dach
Holzfaserplatten0,037 bis 0,052110 bis 2702 bis 5Aufsparren, Unterdeckung, Untersparren
Holzfasermatten0,03840 bis 551 bis 3Zwischensparren
Zelluloseflocken0,03928 bis 651 bis 2Einblasen in Gefache und Decken
Hanfmatten0,04330 bis 1101 bis 2Zwischensparren
Flachsmatten0,03930 bis 401 bis 2Zwischensparren
Schafwolle0,03620 bis 901 bis 2Zwischensparren
Holzwolleplatten0,090330 bis 5002 bis 5Ergänzend, Schall und Brandschutz

Quelle: Faktenblatt Technik (FNR Bauphysik, Baulinks), Stand 20.10.2026. Herstellerangaben und Spannen, keine Bemessungswerte.

Rohdichte nachwachsender und mineralischer DämmstoffeWaagerechte Balken zeigen die Rohdichte in Kilogramm pro Kubikmeter nach Herstellerangaben. Holzfasermatten, Zellulose und Hanf sind leicht, Holzfaserplatten und Holzwolleplatten deutlich schwerer. Schwerere Stoffe speichern mehr Wärme.Rohdichte in kg/m³0100200300400500SteinwolleEPSHolzfasermattenZelluloseHanfmattenFlachsmattenSchafwolleHolzfaserplattenHolzwolleplattenHerstellerangaben; mehr Rohdichte heißt mehr Speichermasse im Sommer.Kreis: Einzelwert, Balken: Spanne. Quelle: Faktenblatt Technik, Stand 20.10.2026.
Rohdichte der Dämmstoffe als Spanne (Herstellerangaben): Holzfaser- und Holzwolleplatten liegen deutlich über den leichten Matten.

Holzfaser: der Allrounder im Dach

Holzfaserplatten sind druckfest und lassen sich in der Aufsparrendämmung einsetzen, wenn das Produkt dafür zugelassen ist. Mit einer Rohdichte von 110 bis 270 kg/m³ sind sie schwerer als Mineralwolle (15 bis 130) und speichern im Sommer mehr Wärme. Dafür brauchen sie bei gleichem U-Wert mehr Dicke: λ liegt mit 0,037 bis 0,052 über dem von Hartschaum. Holzfasermatten (λ 0,038) eignen sich als Klemmfilz im Gefach.

Zellulose, Hanf, Flachs, Schafwolle

  • Zellulose: wird als Flocken eingeblasen und füllt Hohlräume lückenlos, λ 0,039. Fachgerechte Dichte vermeidet Setzung. Mehr zum Verfahren im Beitrag Einblasdämmung.
  • Hanf und Flachs: Matten für das Gefach, λ 0,043 und 0,039. Sie sind elastisch und lassen sich gut verarbeiten.
  • Schafwolle: Matten mit λ 0,036, nimmt Feuchte auf und gibt sie wieder ab. Gegen Motten werden Produkte behandelt.
  • Holzwolleplatten: λ 0,090 und damit kein Hauptdämmstoff, aber robust, schwer und für Schall- und Brandschutz geeignet.
Nahaufnahme einer Zelluloseflocken-Dämmung mit grauen, faserigen Flocken in einem Holzgefach ohne erkennbare PersonenSymbolbild · KI-generiert

Sommerlicher Hitzeschutz und Feuchte

Der große Pluspunkt der schweren Stoffe ist der Hitzeschutz. Ihre höhere Rohdichte speichert Wärme und verzögert die Hitze, die tagsüber durchs Dach dringt. Das senkt die Spitzen im Dachgeschoss. Entscheidend ist der ganze Aufbau, mehr dazu im Beitrag Sommerlicher Hitzeschutz.

Die Diffusionsoffenheit hilft, Feuchte abzugeben. Sie ersetzt aber nie eine dichte Luftebene: Feuchte gelangt vor allem durch Undichtigkeiten in die Dämmung, nicht durch Diffusion. Die Luftdichtung beschreibt der Beitrag Wärmebrücken und Luftdichtheit.

Stärken und Grenzen

Nachwachsende Dämmstoffe im Vergleich zu Mineralwolle und Hartschaum

Nachwachsende Dämmstoffe

Vorteile

  • Höhere Rohdichte, besserer sommerlicher Hitzeschutz
  • Diffusionsoffen, Feuchtepuffer
  • Nachwachsender Rohstoff, bei fachgerechter Planung gute Ökobilanz möglich

Zu beachten

  • Brennbar (B2, Euroklasse E)
  • Mehr Dämmdicke für gleichen U-Wert als Hartschaum
  • Dauerhafte Nässe schadet, Dichtheit nötig

Passt zu: Dachaufbauten mit Wert auf Hitzeschutz, Bauherren mit ökologischem Schwerpunkt

Mineralwolle und Hartschaum

Vorteile

  • Mineralwolle nicht brennbar (A1)
  • Hartschaum mit geringer Dicke und sehr niedrigem λ

Zu beachten

  • Geringere Speichermasse im Sommer
  • Hartschaum erdölbasiert und dampfdicht

Passt zu: Anwendungen mit Brandschutz- oder Platzfokus

Worauf Sie beim Kauf und bei der Planung achten

  • Zulassung für die Anwendung: Für Aufsparrendämmung und Unterdeckung muss das Produkt ausdrücklich zugelassen sein
  • Kennwerte aus der Leistungserklärung: Spannen aus Tabellen ersetzen sie nicht
  • Herkunft und Nachweise: Umweltproduktdeklarationen und Herkunftsnachweise geben Aufschluss über Ökobilanz und Rohstoffquelle
  • Dichte und Verarbeitung: Schwere Platten sind schwerer zu handhaben, Matten müssen passgenau sitzen
  • Feuchteschutz auf der Baustelle: Holzfaserprodukte gehören trocken gelagert und vor Regen geschützt

Bei der Planung gilt: Je diffusionsoffener der Aufbau, desto weniger kritisch sind kleine Feuchtemengen, aber umso wichtiger bleibt die Luftdichtheit. Die Dampfbremse wird passend zum Aufbau gewählt, die Unterdeckung ebenso. Das übernimmt der Fachbetrieb gemeinsam mit der Planung.

Beispiel: Holzfaser im Dachaufbau

Ein bewährtes Konzept kombiniert Dämmung im Gefach mit einer druckfesten Holzfaserplatte auf den Sparren. Die Gefache werden mit Matten aus Holzfaser, Hanf oder Flachs gefüllt, die Platte darüber überdeckt die Sparren und bildet die Unterdeckung oder trägt sie. So entsteht ein diffusionsoffener Aufbau mit durchgehender Dämmebene und hoher Speichermasse. Der Preis ist die größere Aufbauhöhe, die an Traufe, Ortgang und Anschlüssen aufgenommen werden muss.

Wie Verfahren und Dämmstoff zusammenwirken, beschreibt der Beitrag Aufsparrendämmung. Den Gesamtüberblick bietet Dachdämmung im Überblick.

Häufige Fragen

Sind Holzfaserplatten für die Aufsparrendämmung geeignet?

Ja, wenn das Produkt dafür zugelassen ist. Holzfaserplatten sind druckfest und speichern im Sommer mehr Wärme als leichte Stoffe. Sie brauchen jedoch mehr Dicke als Hartschaum.

Sind nachwachsende Dämmstoffe brennbar?

Ja, Holzfaser, Zellulose, Hanf, Flachs und Schafwolle sind normal entflammbar (B2, Euroklasse E). Im Dach wird der Brandschutz durch Bekleidung, Aufbau und Konstruktion erfüllt.

Welcher Naturdämmstoff dämmt am besten?

Nach den Herstellerspannen liegen Schafwolle (0,036), Holzfasermatten (0,038), Zellulose und Flachs (je 0,039) vorn. Hanf liegt mit 0,043 etwas höher.

Kann Zellulose Feuchtigkeit aufnehmen?

Ja, sie nimmt Feuchte auf und gibt sie wieder ab. Dauerhafte Nässe schadet jedoch. Deshalb sind eine dichte Dampfbremse und ein funktionierendes Unterdach nötig.

Gibt es Stroh als Dachdämmung?

Ja, als Strohballendämmung im Holzbau, aber als Nischenlösung. Sie braucht Zulassung und Fachplanung. Verlässliche Kennwerte sind im Redaktionsstand nicht belegt.

Sind Naturdämmstoffe besser für die Umwelt?

Nachwachsende Rohstoffe können Vorteile haben, eine pauschale Aussage ist nicht möglich. Die Ökobilanz hängt von Produkt, Herstellung, Transport und Entsorgung ab. Prüfen Sie Umweltproduktdeklarationen.

Quellen

Begriffe aus diesem Beitrag

Dieser Beitrag gibt allgemeine Orientierung und ersetzt weder Fachplanung noch Rechtsberatung. Angaben zu Förderung und Recht erfolgen ohne Gewähr; maßgeblich sind die jeweils aktuellen Bedingungen.

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