Dämmung

Dämmstoffe im Vergleich: Lambda, Brandschutz, Herkunft

Es gibt nicht den einen besten Dämmstoff, sondern den passenden für Aufbau, Brandschutz, Sommerhitze und Budget. Dieser Vergleich stellt die gängigen Dachdämmstoffe mit Wärmeleitfähigkeit, Rohdichte, Dampfdurchlässigkeit, Brandverhalten und Herkunft nebeneinander. Alle Zahlen sind Herstellerspannen aus dem Faktenblatt Technik (Stand 20.10.2026), keine Bemessungswerte.

Stand: 5 Min. LesezeitRedaktion DEUTSCHE DACHWERKE

Verschiedene Dämmstoffproben nebeneinander auf einem hellen Holztisch: Mineralwolle, Holzfaserplatte, Hartschaumplatte und ZelluloseflockenSymbolbild · KI-generiert

Worauf es beim Vergleich ankommt

Fünf Eigenschaften entscheiden, ob ein Dämmstoff zu Ihrem Dach passt. Die Wärmeleitfähigkeit λ sagt, wie gut er dämmt: je kleiner, desto besser. Die Rohdichte gibt das Gewicht je Kubikmeter an und beeinflusst die Wärmespeicherung im Sommer. Die Diffusionswiderstandszahl µ beschreibt, wie leicht Wasserdampf hindurchwandert. Das Brandverhalten ist für den Brandschutz entscheidend. Die Herkunft prägt Ökobilanz und Entsorgung.

Die große Vergleichstabelle

Dachdämmstoffe im Überblick
Dämmstoffλ in W/(m·K)Rohdichte in kg/m³µ (Diffusion)BrandverhaltenHerkunft
Steinwolle0,03515 bis 1301 bis 2A1, nicht brennbarMineralisch
Mineralwolle allgemein (Stein- und Glaswolle)0,030 bis 0,050Glaswolle: keine belegte AngabeGlaswolle: keine belegte AngabeSteinwolle A1Mineralisch
EPS (Polystyrol, expandiert)0,032 bis 0,040; graphithaltig 0,030 bis 0,03411 bis 3020 bis 100B2 bis B1, Euroklasse EErdölbasiert
XPS (Polystyrol, extrudiert)0,032 bis 0,040keine belegte Angabekeine belegte Angabekeine belegte AngabeErdölbasiert
PUR/PIR0,022 bis 0,029keine belegte Angabekeine belegte AngabebrennbarErdölbasiert
Holzfaserplatten0,037 bis 0,052110 bis 2702 bis 5B2, Euroklasse ENachwachsend
Holzfasermatten0,03840 bis 551 bis 3B2, Euroklasse ENachwachsend
Zelluloseflocken0,03928 bis 651 bis 2B2, Euroklasse ENachwachsend, aus Altpapier
Hanfmatten0,04330 bis 1101 bis 2B2, Euroklasse ENachwachsend
Flachsmatten0,03930 bis 401 bis 2B2, Euroklasse ENachwachsend
Schafwolle0,03620 bis 901 bis 2B2, Euroklasse ENachwachsend, tierisch
Schaumglas0,038 bis 0,070keine belegte Angabekeine belegte Angabekeine belegte AngabeMineralisch
Holzwolleplatten0,090330 bis 5002 bis 5B1, Euroklasse B-s1,d0Nachwachsend, mineralisch gebunden

Quelle: Faktenblatt Technik (FNR Bauphysik, Baulinks), Stand 20.10.2026, ohne Gewähr. „Keine belegte Angabe“ heißt: im Redaktionsstand nicht verlässlich belegt, nicht „gibt es nicht“.

Wärmeleitfähigkeit gängiger Dämmstoffe als SpannenWaagerechte Balken zeigen die Spanne der Wärmeleitfähigkeit nach Herstellerangaben von 0,02 bis 0,10 Watt pro Meter und Kelvin. PUR und PIR liegen am niedrigsten, Holzwolleplatten am höchsten. Je niedriger der Wert, desto besser dämmt der Stoff.λ in W/(m·K), weiter links dämmt besser0,020,040,060,080,10PUR/PIRMineralwolleEPSXPSHolzfaserplattenZelluloseHanfmattenSchaumglasHolzwolleplattenHerstellerangaben und Spannen, keine Bemessungswerte.Kreis: Einzelwert, Balken: Spanne. Quelle: Faktenblatt Technik, Stand 20.10.2026.
Wärmeleitfähigkeit als Spanne (Herstellerangaben). Weiter links dämmt der Stoff bei gleicher Dicke besser.

Wärmeleitfähigkeit: Wer dämmt am besten?

PUR und PIR liegen mit 0,022 bis 0,029 am niedrigsten und erreichen die gleiche Dämmwirkung mit der geringsten Dicke. Das ist ein Vorteil, wenn die Aufbauhöhe knapp ist, etwa bei Aufsparrendämmung oder Flachdächern. Mineralwolle, EPS, XPS, Holzfaser und Zellulose liegen mit etwa 0,030 bis 0,052 im Mittelfeld. Hanf ist mit 0,043 etwas schwächer, Holzwolleplatten sind mit 0,090 nur ergänzend als Dämmung sinnvoll.

Brandverhalten und Sicherheit

Nichtbrennbar (Baustoffklasse A1) ist nach dem Faktenblatt nur die Mineralwolle. Holzfaser, Zellulose, EPS und PUR sind brennbar. Das heißt nicht, dass sie im Dach unzulässig wären: Der Brandschutz wird durch den Gesamtaufbau geregelt, also durch Bekleidung, Hinterlüftung und Dämmstoffdicke. Bei ausgebauten Dachgeschossen und an Brandwänden gelten besondere Anforderungen des Landesrechts. Welche das sind, klärt die Planung im Einzelfall.

Feuchteverhalten und Diffusion

Diffusionsoffen sind Mineralwolle, Holzfaser, Zellulose, Hanf und Flachs mit µ von etwa 1 bis 5. Sie lassen Feuchte aus dem Aufbau heraus, brauchen aber eine dichte Luftebene auf der Raumseite. EPS ist mit µ von 20 bis 100 deutlich dampfdichter, ebenso gelten XPS und PUR als dampfdicht (nicht belegt). Dampfdichte Stoffe verlangen eine genaue Planung der Dampfbremse und des Feuchteschutzes. Mehr dazu im Beitrag Wärmebrücken und Luftdichtheit.

Aufgeschnittene Dämmstoffproben, Mineralwolle, Holzfaser und Hartschaum, im Querschnitt nebeneinander ohne erkennbare PersonenSymbolbild · KI-generiert

Rohdichte und sommerlicher Hitzeschutz

Leichte Stoffe wie EPS (11 bis 30 kg/m³) oder Steinwolle (15 bis 130) speichern wenig Wärme. Holzfaserplatten (110 bis 270) und Holzwolleplatten (330 bis 500) speichern deutlich mehr. Im Sommer verzögert das die Hitze, die durchs Dach dringt. Der Beitrag Sommerlicher Hitzeschutz erklärt den Zusammenhang.

Herkunft und Ökobilanz

Die Dämmstoffe stammen aus drei Gruppen. Mineralisch sind Mineralwolle, Schaumglas und mit Einschränkung Holzwolleplatten. Erdölbasiert sind EPS, XPS und PUR/PIR. Nachwachsend sind Holzfaser, Zellulose, Hanf, Flachs und Schafwolle. Eine Rangfolge der Ökobilanz lässt sich ohne konkretes Produkt nicht seriös angeben, weil Herstellung, Rezeptur, Transport und Entsorgung stark variieren. Fragen Sie bei der Auswahl nach Umweltproduktdeklarationen (EPD) der Hersteller.

Welcher Stoff für welche Anwendung?

Typische Einsatzbereiche
AnwendungHäufige WahlWarum
ZwischensparrenMineralwolle, Holzfasermatten, Hanf, FlachsElastisch klemmbar, diffusionsoffen
AufsparrenPIR/PUR, Holzfaserplatten, druckfeste MineralwolleDruckfest, geringe oder große Dicke je nach Stoff
UntersparrenMineralwolle, HolzfaserBrandschutz mit der Innenbekleidung beachten
Oberste GeschossdeckeMineralwolle, Holzfaser, Zellulose, Hartschaum bei BegehbarkeitGroße Dicken, Einblasen möglich
Flachdach (Warmdach)PIR/PUR, EPS, Schaumglas, MineralwolleDruckfest, hohe Dämmwirkung je Dicke
UmkehrdachXPS, SchaumglasFeuchteunempfindlich

Orientierung, keine Produktempfehlung. Zulassungen und Herstellerangaben gelten.

Vertiefende Beiträge zu den Stoffgruppen: Mineralwolle, Holzfaser und nachwachsende Dämmstoffe und Hartschaum.

Dämmstoff nach Ihren Prioritäten wählen

  • Wenig Platz: PIR/PUR dämmt bei geringster Dicke
  • Brandschutz im Vordergrund: Mineralwolle ist nicht brennbar (A1)
  • Sommerlicher Hitzeschutz: Holzfaserplatten bieten Speichermasse
  • Nachwachsende Rohstoffe: Holzfaser, Zellulose, Hanf, Flachs, Schafwolle
  • Feuchtebelastete Lage: XPS und Schaumglas im Umkehrdach
  • Hohlräume im Bestand: Zellulose oder Mineralwolle als Einblasdämmung

Häufige Fragen

Welcher Dämmstoff dämmt am besten?

PUR/PIR hat mit λ von 0,022 bis 0,029 die niedrigsten Herstellerwerte und dämmt je Dicke am stärksten. Das ist nicht automatisch die beste Wahl, weil Brandverhalten, Sommerhitze und Herkunft ebenfalls zählen.

Welcher Dämmstoff ist nicht brennbar?

Mineralwolle (Steinwolle) mit Baustoffklasse A1 (Stand Faktenblatt Technik, 20.10.2026). Holzfaser, Zellulose, EPS und PUR sind brennbar, im Gesamtaufbau aber durch Bekleidung und Konstruktion abgesichert.

Was bedeutet Lambda 0,035?

Der Stoff leitet Wärme mit 0,035 Watt pro Meter und Kelvin. Je kleiner der Wert, desto besser dämmt er. Dämmstoffe werden oft in Wärmeleitfähigkeitsgruppen wie 035 angegeben.

Welcher Dämmstoff ist am besten gegen Sommerhitze?

Stoffe mit höherer Rohdichte wie Holzfaserplatten speichern mehr Wärme und verzögern die Hitze. Entscheidend ist der gesamte Dachaufbau, nicht nur der Dämmstoff.

Sind nachwachsende Dämmstoffe besser für die Umwelt?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Nachwachsende Rohstoffe haben Vorteile, die Ökobilanz hängt aber von Produkt, Herstellung und Entsorgung ab. Prüfen Sie Umweltproduktdeklarationen.

Darf ich Dämmstoffe mischen?

Ja, etwa Mineralwolle im Gefach und Holzfaser auf den Sparren. Wichtig ist, dass die Feuchte- und Diffusionseigenschaften zusammenpassen. Das klärt die Planung der Dampfbremse.

Quellen

Begriffe aus diesem Beitrag

Dieser Beitrag gibt allgemeine Orientierung und ersetzt weder Fachplanung noch Rechtsberatung. Angaben zu Förderung und Recht erfolgen ohne Gewähr; maßgeblich sind die jeweils aktuellen Bedingungen.

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