Dachformen

Sheddach und Sonderformen: Tonnen-, Rund- und Faltdach

Das Sheddach mit seiner Sägezahnform kennt man von Fabrikhallen. Daneben gibt es Sonderformen wie Tonnendach, Kegeldach und Faltdach. Alle verlangen besondere Detailplanung bei Dämmung, Abdichtung und Entwässerung.

Stand: 5 Min. LesezeitRedaktion DEUTSCHE DACHWERKE

Backsteinhalle mit Sheddach und VerglasungSymbolbild · KI-generiert

Das Sheddach

Das Sheddach, auch Sägezahndach, besteht aus mehreren nebeneinanderliegenden Pultdächern. Jede Dachfläche steigt flach an und fällt an der Rückseite steil ab. Die steile Fläche ist verglast und zeigt meist nach Norden. So fällt gleichmäßiges Tageslicht in die Halle, ohne dass die Sonne blendet. Entstanden ist die Form im 19. Jahrhundert für Webereien und Fabrikhallen.

Sheddach in der IsometrieGebäude mit Sheddach: mehrere sägezahnartige Dachflächen, deren steile Seite verglast ist und Tageslicht in die Halle lässt.DachflächeVerglasungTraufe
Sheddach in der Isometrie (schematisch).
Sheddach: Vor- und Nachteile
AspektVorteilNachteil
LichtGleichmäßiges Tageslicht ohne direkte SonneneinstrahlungVerglasung braucht Wartung und Wärmeschutz
FlächeGroße, stützenarme Hallen möglichMehr Anschlüsse und Rinnen zwischen den Zähnen
EntwässerungWasser läuft in Rinnen zwischen den ZähnenInnenliegende Rinnen sind sensibel für Verstopfung und Undichtigkeiten
EnergieViel Tageslicht senkt den KunstlichtbedarfVerglasungen sind Wärmebrücken
UmnutzungHallen eignen sich für Lofts, Ateliers und GewerbeDämmung und Umbau sind aufwendig

Typische Baujahre: Sheddächer finden sich vor allem auf Industriebauten des späten 19. und des 20. Jahrhunderts. Als Wohnform kommen sie bei umgenutzten Hallen und modernen Architektenhäusern vor. Die Zeitangaben sind eine grobe Orientierung.

Weitere Sonderformen

Sonderformen im Überblick
FormMerkmalBesonderheit bei der Sanierung
TonnendachGewölbtes Dach in Form eines halben ZylindersGebogene Dachflächen verlangen spezielle Eindeckungen oder Abdichtungen. Metall, Bahnen oder kleinformatige Materialien eignen sich besser als große Ziegel.
KegeldachRunde Fläche, die in einer Spitze endet, wie ein TurmdachZuschnitte folgen einer Rundung, Schiefer oder Biberschwanz sind üblich. Aufwendige Handarbeit.
FaltdachZickzackförmig gefaltete FlächeZahlreiche Kehlen und Grate, hoher Aufwand an Anschlüssen und Entwässerung.
KuppeldachHalbkugelförmige oder flache WölbungSehr aufwendig, meist Metall oder Spezialbeschichtung.
Pyramidendach, TurmdachSpitz zulaufende Flächen auf Türmen und ErkernHohe Dachflächen mit schwierigem Zugang, Sicherung bei Arbeiten besonders wichtig.
Grasdach, GründachBepflanzte Dachfläche mit SubstratSchichtaufbau mit Wurzelschutz und höherer Last. Statik prüfen.

Die Bezeichnungen werden regional und je nach Hersteller unterschiedlich verwendet.

Rinne zwischen zwei Zähnen eines SheddachsSymbolbild · KI-generiert

Besonderheiten bei der Sanierung

  • Abdichtung statt Ziegel: Bei flachen Sheddächern und gebogenen Dächern wird häufig mit Bahnen oder Metall abgedichtet. Siehe Flachdach.
  • Verglasung prüfen: Dichtungen, Rahmen und Gläser altern. Beim Austausch lohnt sich ein verbesserter Wärmeschutz.
  • Rinnen zwischen den Zähnen: Sie sind das Herzstück der Entwässerung und müssen frei, dicht und groß genug sein. Eine Notentwässerung ist zu planen. Siehe Dachentwässerung.
  • Dämmung: Bei Sheddächern entstehen viele Wärmebrücken an den Zähnen. Eine von außen aufgebrachte Dämmung bringt oft die ruhigste Lösung.
  • Statik: Zusätzliche Lasten durch Dämmung, Begrünung oder Solaranlagen sind vorab zu prüfen.
Gebäude mit Tonnendach und StehfalzdeckungSymbolbild · KI-generiert

Umnutzung von Sheddachhallen

Viele alte Fabrikhallen mit Sheddach werden heute zu Wohn- und Arbeitsräumen umgebaut. Der Reiz liegt im gleichmäßigen Tageslicht und der großen, offenen Fläche. Die Herausforderung ist der Wärmeschutz: Dach und Verglasung entsprechen selten heutigen Anforderungen, und die vielen Anschlüsse zwischen den Zähnen sind Wärmebrücken. Eine sorgfältige Planung klärt Statik, Brandschutz, Dämmung und Entwässerung im Zusammenhang.

  • Bestandsaufnahme von Dachstuhl, Verglasung und Rinnen
  • Statische Beurteilung für zusätzliche Lasten durch Dämmung oder Photovoltaik
  • Neues Konzept für Luftdichtheit und Dämmung, die Rinnen zwischen den Zähnen einbeziehen
  • Austausch der Verglasung oder Ergänzung durch Wärmeschutzverglasung
  • Prüfung von Brandschutz und Genehmigungsfragen bei Nutzungsänderung

Photovoltaik auf Sonderformen

Sheddächer sind für Solaranlagen gut geeignet, wenn die flachen Flächen nach Süden zeigen. Die Zahnform erlaubt es, Module in der Neigung der Dachfläche zu montieren, ohne dass sie sich gegenseitig verschatten. Bei Tonnen- und Kegeldächern sind die Möglichkeiten eingeschränkt. Eine Planung im Einzelfall klärt, ob sich der Aufwand lohnt.

So gehen Sie bei der Sanierung vor

  1. Zustand erfassen

    Eindeckung, Unterkonstruktion, Anschlüsse und Entwässerung werden vor Ort angesehen und dokumentiert.

  2. Ziele klären

    Soll nur die Eindeckung erneuert werden, oder auch gedämmt und der Dachraum ausgebaut werden?

  3. Vorgaben prüfen

    Bebauungsplan, Satzungen, Denkmalschutz und Anforderungen des GModG werden vorab geklärt.

  4. Kosten einschätzen

    Im Dachrechner erhalten Sie in wenigen Minuten eine erste Kosteneinschätzung.

  5. Angebot nach Prüfung

    Nach der Prüfung am Gebäude folgt das Leistungsangebot ohne lange Wartezeit.

Wartung im Alltag

Bei Sheddächern kommt es vor allem auf die Rinnen zwischen den Zähnen an. Sie liegen oft innen und sind schwer zugänglich. Lassen Sie sie mindestens zweimal im Jahr reinigen und prüfen, ob Notüberläufe frei sind. Kontrollieren Sie außerdem die Verglasung und ihre Dichtungen. Bei Sonderformen wie Tonnen- oder Kegeldächern gehören Befestigungen und Anschlüsse in die regelmäßige Sichtprüfung.

Häufige Fragen

Wofür steht der Name Sheddach?

Der Begriff stammt aus dem Englischen und bedeutet Schuppen oder Halle. Er bezeichnet die Sägezahnform der Dächer von Fabrikhallen.

Warum zeigt die Verglasung beim Sheddach nach Norden?

Nordlicht ist gleichmäßig und blendfrei. Das ist für Arbeitsplätze und Ausstellungsräume vorteilhaft. Die Sonne wird so aus der Halle ferngehalten.

Kann man ein Sheddach dämmen?

Ja. Die Dachflächen werden meist von außen gedämmt und neu abgedichtet. Die Verglasungen werden gegen neue Fenster getauscht. Anschlüsse und Rinnen verlangen besondere Sorgfalt.

Wie wird ein Tonnendach eingedeckt?

Mit Materialien, die sich der Rundung anpassen, etwa Metall oder Bahnen. Kleinformatige Eindeckungen sind ebenfalls möglich.

Brauche ich für eine Sonderform einen Statiker?

Bei Veränderungen der Last, etwa durch Dämmung, Begrünung oder Photovoltaik, ist eine statische Beurteilung üblich. Die Fachperson klärt das bei der Bestandsaufnahme.

Was ist ein Faltdach?

Ein Faltdach hat zickzackförmig gefaltete Flächen, die wie ein aufgeklapptes Papier wirken. Es wird bei besonderen Gebäuden eingesetzt und braucht viele sorgfältige Anschlüsse.

Wie dämmt man ein gewölbtes Dach?

Mit biegsamen oder passend zugeschnittenen Dämmstoffen, oft von außen, mit angepasster Abdichtung. Die Details sind projektspezifisch.

Brauche ich für Sonderformen einen Architekten?

Bei Umbauten, Dachformänderungen und besonderen Konstruktionen ist eine Planung durch Fachleute üblich und oft vorgeschrieben. Klären Sie das mit der Bauaufsicht.

Quellen

Begriffe aus diesem Beitrag

Dieser Beitrag gibt allgemeine Orientierung und ersetzt weder Fachplanung noch Rechtsberatung. Angaben zu Förderung und Recht erfolgen ohne Gewähr; maßgeblich sind die jeweils aktuellen Bedingungen.

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