Dachaufbau & Konstruktion

Dachanschlüsse: Schornstein, Wand, Kehle, Ortgang, Traufe

Dort, wo Dachflächen enden oder auf andere Bauteile treffen, entstehen die meisten Undichtigkeiten. Sorgfältig ausgeführte Anschlüsse sind deshalb ebenso wichtig wie die Eindeckung selbst.

Stand: 5 Min. LesezeitRedaktion DEUTSCHE DACHWERKE

Schornstein mit Blecheinfassung auf einem ZiegeldachSymbolbild · KI-generiert

Warum Anschlüsse so wichtig sind

Die Fläche der Eindeckung ist durch Überdeckung dicht. An den Rändern und Durchdringungen gilt das nicht automatisch. Dort stoßen Ziegel auf Mauerwerk, Metall oder Holz, und Bauteile bewegen sich unterschiedlich. Wasser läuft an Kanten entlang und findet kleine Fehlstellen. Anschlüsse werden deshalb mit Blechen, Bändern und Verwahrungen hergestellt.

Anschlüsse und Randbereiche einer DachflächeDraufsicht auf ein Satteldach mit Quergiebel. Markiert sind First, Traufe, Ortgang, Kehle, Schornsteinanschluss und ein Wandanschluss an einer höheren Wand.FirstKehleWandanschlussTraufeOrtgangSchornsteinanschlussDraufsicht, schematisch
Draufsicht eines Satteldachs mit Quergiebel: Randbereiche und Anschlüsse (schematisch).

Die wichtigsten Anschlüsse im Überblick

AnschlussWoWorauf es ankommt
FirstObere Kante, an der zwei Dachflächen aufeinandertreffenFirstziegel, Lüftung, Windsicherheit
TraufeUntere Kante der DachflächeTraufblech, Rinne, Lüftungseinlass
OrtgangSeitlicher Rand der Dachfläche am GiebelOrtgangziegel, Windsog, Randabschluss
KehleEinspringende Kante zwischen zwei DachflächenBlech oder Rinne, konzentrierter Wasserlauf
GratAusspringende Kante, etwa beim WalmdachGratziegel, Mörtel oder trockene Verlegung
WandanschlussDach trifft auf eine aufragende WandAnschlussblech, Wandanschlussprofil, Überdeckung
SchornsteinanschlussDach durchdringt einen SchornsteinKragen, Sattel oder Kehlblech, Anschlussstreifen
DurchdringungenEntlüftungen, Antennen, SolarhalterManschetten, Dichtungen, dauerhaft elastisch

Schornsteinanschluss

Der Schornstein ist ein starres Bauteil mitten im Dach. An der oberen Seite wird das Wasser durch einen Sattel um den Kamin geleitet, seitlich durch Anschlussbleche, unten durch einen Kragen. Zwischen Blech und Mauerwerk braucht es einen dichten, aber beweglichen Abschluss. Starre Mörtelfugen reißen im Laufe der Jahre. Ein Blick auf diese Stelle sollte beim Dachcheck zur Routine gehören.

Kehle mit Zinkblech zwischen zwei DachflächenSymbolbild · KI-generiert

Wandanschluss

Trifft das Dach auf eine höhere Wand, zum Beispiel an einem Anbau oder einer Brandwand, wird das Blech in eine Nut oder hinter die Fassade geführt und die Eindeckung darüber gedeckt. Die Höhe der Verwahrung ist wichtig, damit Spritzwasser und Schnee nicht hinter das Blech gelangen. Bei Wärmedämmverbundsystemen an der Fassade muss der Anschluss mit der Fassadenbaustelle abgestimmt werden.

Kehle

In der Kehle fließt das Wasser von zwei Dachflächen zusammen. Es handelt sich um konzentrierten Wasserlauf. Deshalb wird die Kehle üblicherweise mit Blech ausgekleidet und die Unterdeckung darunter mit einer höheren Klasse ausgeführt, wenn die Fachregel das verlangt. Laub und Moos in der Kehle fördern Staunässe.

Ortgang, Traufe und First

Am Ortgang schließen besondere Ziegel oder Blechprofile die Dachfläche ab und verhindern, dass Wind unter die Eindeckung greift. Die Traufe führt Wasser in die Rinne. Ein Traufblech oder Tropfkante sorgt dafür, dass es nicht hinter die Rinne läuft. Am First schließen Firstziegel mit Lüftungsöffnung die Fläche ab. Sie müssen gegen Sturm befestigt sein. Mehr zur Rinne lesen Sie im Beitrag Dachentwässerung.

Ortgang mit Ortgangziegeln am GiebelSymbolbild · KI-generiert

Luftdichtheit und Wärmeschutz an Anschlüssen

Anschlüsse sind nicht nur Wasserthema, sondern auch Wärme- und Luftthema. An Wänden, Fenstern und Durchdringungen muss die Dampfbremse luftdicht angeschlossen werden. Siehe Dampfbremse und Luftdichtheit. Wärmebrücken lassen sich nur bei sorgfältiger Planung vermeiden.

Anschlüsse bei der Neueindeckung

  1. Bestand aufnehmen

    Alte Anschlüsse beurteilen, Materialien und Mängel dokumentieren.

  2. Details planen

    Anschlussbleche, Kragen und Verwahrungen nach Gebäude und Eindeckung wählen.

  3. Untergrund vorbereiten

    Mauerwerk, Putz und Nuten herrichten, Unterdeckung mit Manschetten anschließen.

  4. Bleche setzen

    Anschlussbleche einbauen, Überdeckungen und Falze nach Fachregel herstellen.

  5. Eindecken

    Ziegel an die Anschlüsse anpassen und befestigen.

  6. Kontrolle

    Sichtprüfung nach Fertigstellung und nach den ersten Regenfällen.

Materialien für Anschlüsse

MaterialEigenschaftenHinweis
Zink (Titanzink)Langlebig, bildet eine schützende Patina, gut formbarNicht mit Kupfer so kombinieren, dass Wasser von Kupfer auf Zink läuft
KupferSehr langlebig, hochwertigBeeinflusst das Ablaufwasser, nicht über Zink leiten
Aluminium, beschichtetLeicht, in vielen Farben erhältlichPassende Verbindungen und Dichtstoffe verwenden
EdelstahlSehr robust und korrosionsbeständigAufwendiger zu verarbeiten
Bleiersatzbänder, AluverbundbänderSelbstklebend, anschmiegsamFür Anschlüsse an unregelmäßigen Flächen
Bitumenbahnen, KunststoffbahnenFlexibel, bei Flachdächern und Anschlüssen üblichAuf die Eindeckung und den Untergrund abstimmen

Rechnerisch halten Metalle wie Zink, Kupfer und Aluminium laut BNB-Tabelle (Stand 2017) mindestens 50 Jahre. Das sind Rechenwerte, keine Garantien.

Bewegung und Fugen

Bauteile dehnen sich unterschiedlich aus. Metall reagiert stark auf Temperatur, Mauerwerk kaum. Ein Anschlussblech, das starr eingemörtelt ist, reißt deshalb im Laufe der Jahre. Handwerker verwenden Dehnungsfugen, Gleitfalze und elastische Dichtstoffe, die die Bewegung aufnehmen. Dauerelastische Fugen sind Verschleißteile und werden bei Wartungen geprüft und erneuert. Deshalb gehört das Nachsehen der Fugen zum Dachcheck.

Anschlüsse an Photovoltaik und Dachfenster

Moderne Einbauten verändern die Anschlusssituation. Photovoltaik wird über Dachhaken oder Halter befestigt, die die Eindeckung durchdringen. Dafür gibt es Dichtungen und Spezialziegel. Dachfenster erhalten Eindeckrahmen mit Anschlussblechen. Wenn solche Teile später nachgerüstet werden, sollte der Fachbetrieb die Durchdringungen so ausführen, dass die Unterdeckung und die Eindeckung wieder dicht schließen. Siehe auch Dachfenster.

Häufige Fragen

Warum tropft es am Schornstein?

Häufig sind Anschlussbleche undicht oder der Mörtelabschluss ist gerissen. Auch Feuchte im Mauerwerk oder Kondensat im Schornstein kommen infrage. Die Ursache sollte vor einer Reparatur geklärt werden.

Was ist eine Kehle am Dach?

Die Kehle ist die einspringende Kante, an der zwei Dachflächen in einem Winkel zusammentreffen. Dort fließt viel Wasser zusammen. Sie wird mit Blech oder Rinne ausgebildet.

Was ist der Ortgang?

Der Ortgang ist der seitliche Abschluss der Dachfläche am Giebel. Er verläuft schräg und wird mit Ortgangziegeln oder Blechprofilen eingefasst.

Kann ich Dachanschlüsse mit Dichtmasse reparieren?

Als vorübergehende Maßnahme manchmal. Dauerhaft halten Bleche und fachgerechte Verwahrungen besser. Dichtmasse altert und löst sich, besonders bei Bewegung und UV-Licht.

Welche Anschlüsse werden bei einer Neueindeckung erneuert?

In der Regel alle, die mit der Eindeckung zusammenhängen: First, Grate, Kehlen, Ortgang, Wand- und Schornsteinanschlüsse sowie Durchdringungen. Der Umfang hängt vom Zustand ab.

Wie oft sollte man Anschlüsse prüfen lassen?

Mindestens nach Stürmen und in größeren Abständen als Teil einer Dachinspektion. Besonders Schornstein, Kehlen und Wandanschlüsse sind Kontrollpunkte.

Was ist ein Kragen am Schornstein?

Ein Kragen ist ein Blechband, das den Schornstein umschließt und das Wasser ableitet. Er wird mit der Eindeckung verzahnt.

Sind Anschlüsse eine Gewährleistungsfrage?

Fehlerhafte Anschlüsse können ein Mangel sein. Rechtliche Fragen zur Gewährleistung klären Sie im Einzelfall mit einer Rechtsberatung.

Quellen

Begriffe aus diesem Beitrag

Dieser Beitrag gibt allgemeine Orientierung und ersetzt weder Fachplanung noch Rechtsberatung. Angaben zu Förderung und Recht erfolgen ohne Gewähr; maßgeblich sind die jeweils aktuellen Bedingungen.

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